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Web 2.0 und AJAX – Paradigmenwechsel oder nur Hype?

Die Zukunft des Internets heisst Web 2.0. Sagt man zumindest. Aber was ist Web 2.0?

Heute ist das Internet allgegenwärtig, so dass man sich anstrengen muss, es überhaupt zu sehen. Damals, als das Internet dank den von Tim Berners-Lee entwickelten Protokollen und Erweiterungen und dank des ersten einfach zu verwendenden Browsers von Netscape die Massen erreichte (also sozusagen Web 1.0), herrschte eine Stimmung, als sei ein neuer Kontinent entdeckt worden oder gar ein neuer Planet, den es nun zu besiedeln und auszubeuten gelte. Doch im Jahr 2000 platzten die hochfliegenden Ballone, die Aktienkurse der Internetfirmen sanken ins Bodenlose, die Erwartungen liefen auf Grund, die Euphorie versickerte.

Doch nun regt sich wieder etwas, Zuversicht keimt auf, das Interesse an Zukunftsvisionen gedeiht. Durch die geplatzte DotCom-Blase wurde die Spreu vom Weizen getrennt, viele neue Internetprojekte stehen wieder am Start. Die Zukunft von Web 1.0 heisst Web 2.0.

Zu den herausragendsten Propagandisten des Web 2.0 gehört Tim O'Reilly, bekannter Gründer und Chef des gleichnamigen Computerbuchverlags. Doch nicht nur neue, stärkere Firmen und Projekte bilden die neue Internetwelle - es ist die neue Art. Das Internet besteht als Web 2.0 nicht mehr aus einzelnen Webseiten, sondern bildet eine einzige grosse Platform. Dank unbegrenzter Mobilität sind Daten, Musik und Filme überall und jederzeit und auf jedem Client verfügbar.

Eine der neuen und sicherlich interessantesten Internet-Anwendungen ist das, was man unter Social Web zusammenfassen könnte. Es geht hierbei um die Vernetzung von Inhalten und Menschen. Typische Beispiele hierfür sind die sogenannten Blogs (kurz für Weblogs), welche die Lebensgeschichten von Personen im Internet publizieren, oder Wikis, wie etwa die Online-Enzyklopedie Wikipedia. Allen ist gemeinsam, dass sie mehr sind als reine Online-Lagerstätten für Content. Zusammen sind wir stark, lautet das eine Motto. Das andere lautet: Das Ergebnis ist eine Potenz und nicht nur die Summe des Ursprünglichen. Wikipedia ist stark, weil viele Menschen für sich genommen kleine Beiträge leisten und heraus kommt das beste, weil lebendige, Lexikon der Welt.

Neue Technologien?

Zentral für Web 2.0 ist die Interaktivität und die Einfachheit ihres Gebrauchs, beispielsweise mittels Drag'n'Drop. Die Rede ist von Protokollen und Datenstrukturen, von XML, RSS, AJAX, SOAP, usw., kurz: von Web- Services. Web-Services sollen es möglich machen, dass komplizierte, mehrstufige Transaktionen, an denen verschiedenste Softwarekomponenten auf verschiedensten Rechnern beteiligt sind, spontan stattfinden und automatisch ablaufen können.

Am Beispiel AJAX (Asynchronous JavaScript and XML) wird bei näherer Betrachtung aber rasch klar, dass es sich hier nicht um eine revolutionäre Neuentwicklung handelt, sondern vielmehr und ein Zusammenspiel zwischen client- und serverseitigen Komponenten.

Traditionelle Anwendungen übermitteln alle Benutzeraktionen an den Sever und erhalten Antworten, welche dann mit Verzögerung dargestellt wird. AJAX-Anwendungen hingegen sind in der Lage, Anfragen an den Server zu schicken, bei denen nur die Daten angefordert werden, die tatsächlich benötigt werden. Für gewöhnlich geschieht dies über den Aufruf eines SOAP-Web-Services oder eines vergleichbaren XML-basierten Web-Service-Dialekts. Der Client, also der Webbrowser, verarbeitet die Antwort des Servers nicht direkt, sondern schleust diese durch den JavaScript-Prozess der AJAX-Engine. Im Ergebnis erhält man so eine Benutzeroberfläche, die sehr viel zügiger auf Benutzereingaben reagiert. Ein Grund für dieses veränderte Verhalten ist die Tatsache, dass wesentlich weniger Daten zwischen Webbrowser und Webserver ausgetauscht werden müssen. Zudem wird die Webserver-Last reduziert, da schon viele Verarbeitungsschritte Client-seitig getätigt werden können. Ein Beispiel ist das Füllen eines Onlineshop-Warenkorbs mittels Drag'n'Drop, wobei hier nicht die ganze Seite neu generiert werden muss, sondern lediglich der veränderte Part (hier der Warenkorb).

Viele der übrigen Technologien wie z.B. RSS (ein separat lesbares Pull-News-Format auf Webseiten) existieren ebenfalls schon seit längerer Zeit und erhalten erst heute mehr Beachtung.

Fazit

Nun, ganz so neu ist Web 2.0 nicht wirklich. Es ist mehr ein Service Release für Web 1.0, welche die von Tim Berners-Lee ursprünglich fürs Internet erdachte Partizipation der zu reinen Konsumenten degradierten Teilnehmern nachliefert. Auch die Technologien sind nicht komplett neu, sondern kombinieren teilweise geschickt bekannte Technik zu neuen Services. Grösser und vielfältiger wird das Internet durch die neuen Anstösse sicherlich, wenn auch nicht unbedingt inhaltlich gehaltvoller - aber das ist eine andere Geschichte. Der Umfang der weltweiten unaufhaltbaren Webbewegung ist jedoch beeindruckend und sollte nicht unter-, sicherlich aber auch nicht nochmals zu schnell überschätzt werden.

Quellen: NZZ online, web-zweinull.de, wikipedia.org

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